Beifußkraut (Artemesia annua) – „Mutter der Kräuter“

Beifußkraut (Artemesia annua) – „Mutter der Kräuter“

Beifußkraut – Mystik


Beifuß wurde bereits im 11. Jahrhundert als die „Mutter der Kräuter“ (mater herbarum) bezeichnet und galt als Hauptmittel zur Behandlung von Frauenkrankheiten. Auch Verdauungsstörungen und Harnstauung sollte er heilen. Beifußkraut wurde seit jeher in zahlreichen mystischen Geschichten und Übersetzungen erwähnt.

Ich glaube, dass keinem Kraut der Welt so viele verschiedene Namen beigemessen wurden, wie dem Beifuß: Besenkraut, Fliegenkraut, Johannesgürtelkraut, Gürtelkraut, Jungfernkraut, Sonnwendkraut, Weiberkraut und viele mehr. Im 18. Jahrhundert wurde Beifuß oder mit Beifuß gewürztes Bier der weiblichen Gesundheit, Fruchtbarkeit und der Luststeigerung vor allem von Frauen zugeschrieben. Vom 12. Jahrhundert gibt es Aufzeichnungen, worin das Kraut für rituelle Geburtshilfe eingesetzt wurde. Im Priller-Kräuterbuch steht geschrieben: „…Beifuß ist gut für die Frau, die sich von der Geburt erholt. Binde ihr Beifuß auf den Bauch und sie erholt sich schnell. Nimm es alsbald wieder weg, damit es keinen Vorfall von inneren Organen gebe.“

Das wertvolle Kraut wurde auch in den zwölf Raunächten zur Sommer- und Winterwende, gemeinsam mit verschiedenen anderen getrockneten Kräutern als Räucherwerk in Häusern und Ställen zur Abwehr von bösen Geistern verwendet. Man vermutet, dass der Ursprung dieses Brauchtums von den alten Germanen stammt. Unzähligen magischen Rezepturen wurde Beifuß in vielen Jahrhunderten beigemischt. An den Spitzen des Dachfirsts nach unten angebunden, sollte Beifuß Blitze abwehren und sogar Seuchen fernhalten.

Beifußkraut wurde auch zu allen Zeiten als Schutzpflanze vor Dämonen angewandt: „Vor der Tür aufgehängt, verwehrt sie bösen Geistern den Zutritt.“

Es tanzten die Menschen, umgürtet mit einem Kranz aus Beifußkraut um das sogenannte Johannisfeuer. Der Kranz wurde anschließend, gemeinsam mit allem Negativen ins Feuer geworfen. Aus dieser Zeit stammt der Name Johannesgürtelkraut. Dieses Ritual praktiziere ich heute noch bei meinen Seminaren und immer wieder sind sowohl Frauen als auch Männer über die außergewöhnliche magische Wirkung des Beifußkraut, gemeinsam mit rituellem Tanz und Mantras, überrascht. Wer Übertragungen früherer magischer Verwendungen von Beifuß Glauben schenkt, sollte ihn ins Kopfkissen füllen, um Wahrträume zu haben oder einen mit Honig gesüßten Aufguss aus Beifuß trinken, bevor er ein Orakel beginnt.


Beifußkraut – Kraft und Ausdauer, wie die Pflanze selbst


Beifußkraut ist eine ausdauernde, robuste Pflanze mit derben Laublättern und vielen gelblichen Röhrenblüten. Man darf sie in der Anwendung auf keinen Fall mit dem hochgiftigen blauen Eisenhut verwechseln, der eine gewisse Ähnlichkeit aufweist. Der Ursprung der Artemesia annua ist heute nicht mehr zu bestimmen, da die Pflanze durch den Menschen bereits über den gesamten Norden der Erde verbreitet wurde. Ihre Blüten sind wunderschön anzuschauen, doch sie zählen auch zu den Auslösern für Heuschnupfen. Gleichzeitig kann man das Kraut gegen Allergien einsetzen. Diese Tatsache ist für mich als Iridologin und Naturheiltherapeutin eine interessante Kausalität, da Allergien auf psychisch/geistiger Ebene immer in Verbindung mit Abwehr bzw. Abneigung zu sehen ist.

Genauso robust und ausdauernd wie die Pflanze selbst, ist ihre Wirkung auf den Menschen. So soll er laut Überlieferung durch die Einnahme unglaubliche Ausdauer und Kraft entwickeln.


Beifußkraut - Inhaltsstoffe


Es gibt eine europäische und eine asiatische Varietät des Beifußkrauts, deren ätherischen Öle sich auffällig voneinander unterscheiden. Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Pflanzen sind Sesquiterpenlactone, welche den bitteren Geschmack der Pflanze erzeugen, ätherische Öle (Kampfer, Thujon, Santonin etc.), Flavonoide (Quercetin, Rutin etc.) sowie Hydroxycumarine (Polyine, Aesuletin etc.).


Beifußkraut – Nutzung


Die Blätter der Pflanze kannst du als Gewürzpflanze verwenden, aber auch als Tee bei verschiedensten Beschwerden. Die darin enthaltenen Bitterstoffe wirken unterstützend für die Verdauung, indem sie die Bildung von Magensaft und Gallenflüssigkeit anregen. Darüber hinaus gibt es unzählige Überlieferung über die Heilwirkung der zurecht bezeichneten „Mutter der Kräuter“.
Aus den getrockneten Pflanzen wird sogar Parfümöl (Essence d´Armoise) erzeugt. Das aus dem Kraut gewonnene ätherische Öl, kann ebenfalls vielseitig genutzt werden.


Beifußkraut – Anwendung


Der Name des Beifußkrauts stammt vermutlich schon vom 2. Jahrhundert. Die Aufzeichnungen des weisen Naturforschers Plinius berichteten von seinen Beobachtungen, dass Wanderer, die „Artemisia“ bei sich trugen, auf ihrer Reise nicht müde wurden. Und bei Einnahme dieses robusten Krautes vor dem Laufen soll es nach seinen Studien unglaubliche Ausdauer und Geschwindigkeit verleihen. Es wäre auf jeden Fall eine Idee dies auszuprobieren, bevor man die Übertragung der Schriften als Aberglauben verunglimpft. Überdies soll Beifuß auch sogenannte dunkle Mächte „abstoßen“, worauf auch die althochdeutsche Übersetzung des Namens „Beifuß“ hindeutet.
Phytotherapeutisch findet das Kraut in ganz Europa Anwendung. In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird es seit Jahrtausenden unter anderem zur Moxa-Therapie verwendet.


Beifußkraut – Einst wertvollstes Heilkraut


Im 19. Jh. sollen die Wurzeln des Beifußkrauts im deutschsprachigen Raum sogar zur Behandlung von Epilepsie, die damals als die „fallende Krankheit“ bezeichnet wurde,
eingesetzt worden sein. Allgemein kann man festhalten, dass Artemesia annua in fast jedem frühneuzeitlichen Kräuterbuch Erwähnung findet.
Doch im Bundesanzeiger Nr.122 veröffentlichte im Juli 1988 die Kommission E des damaligen Bundesgesundheitsamtes plötzlich, dass eine therapeutische Anwendung von Beifuß nicht empfohlen wird.
Die Germanen setzten angeblich Beifuß oder ätherisches Öl ihrem Starkbier zu, um dessen berauschende Wirkung zu steigern. Doch bei uns gilt das ätherische Öl (Artemisiae herba) heute als Droge und in der Aromatherapie wird sogar vor deren Giftigkeit gewarnt.


Beifußkraut – Bitterstoffe


Die im Beifußkraut sehr vielseitig enthaltenen Bitterstoffe regen die Magensaftsekret- und die Speichelproduktion, aber auch alle anderen Drüsen, sowie die Leber und Galle an, mehr Verdauungssekrete herzustellen. Auf diese Weise wird sehr intensiv die Verdauung, der gesamte Stoffwechsel und auch die Bildung des Intrinsic-Faktors unterstützt. Bitterstoffe wirken auch appetitanregend, leicht laxierend, gegen Blähungen und sie vermindern auch unangenehme Völlegefühle. Es dauert jedoch einige Tage, bis diese Wirkungen eintreten.

Bitteres fungiert wie eine Essbremse in unserem Organismus, d.h., der Körper weigert sich bei einer hohen Dosis an Bitterstoffen weiterhin Nahrung aufzunehmen. Das gilt auch für Bitterstoffe in Getreide Gemüsen, Gräsern, Kräutern usw. Dieser Effekt bewirkt in der Natur, dass Wildtiere sich nicht überfressen können, da die sogenannte Bitterstoff-Essbremse ein Übermaß verhindert. Grundsätzlich gilt das auch für uns Menschen, aber unserer heutigen Ernährung fehlen leider die Bitterstoffe, weil sie uns weitgehend weggezüchtet wurden. Zucker und zuckerhaltige Nahrung ist in den Vordergrund gerückt.


Beifußkraut – Enttrohnte Macht


Ab dem 20. Jahrhundert erwähnen nur noch wenige Autoren das bis dahin so beliebte Beifußkraut. Ludwig Kroeber schrieb unter anderem:
„Beifuß (hier Artemesia vulgaris, d. V.) gilt der heutigen Volksmedizin als fäulniswidrig, reinigend, abführend. Sie bedient sich seiner bei allgemeiner Schwäche, solcher der Verdauungsorgane, chronischem Durchfall, katarrhalischen Verschleimungen, Hämorrhoiden, Geschlechtskrankheiten, Sein- und Blasenleiden, mangelnder Menstruation, Nervenkrankheiten, Veitstanz, Hysterie, Krämpfen der zahnenden Kinder. Als Zusatz zum Bade findet Beifuß Anwendung bei Gicht und Rheumatismus sowie bei Müdigkeit der Beine.“

Marzell hat es um diese Zeit dann so richtig auf den Punkt gebracht:
„… Beifuß stellt uns so recht das Bild einer entthronten Macht dar. Im Altertum und im Mittelalter bis tief in die Neuzeit hinein wegen der verschiedensten Heilkräfte hochgepriesen, ist (er) heutzutage aus dem Arzneischatze so gut wie verschwunden.“


Beifußkraut - Gegen Coronavirus?


Zurzeit gibt es offiziell noch keine wirksamen Behandlungen gegen Covid-19. Es werden Medikamente gegen Malaria oder Ebola bzw. auch antivirale Arzneimittel als Einsatz gegen Covid-19 herangezogen. Aber auch Behandlungen mit Kräutern der Traditionellen Chinesischen Medizin wurden auf ihre Wirkung gegen Coronavirus-Infektionen erforscht. Erste Studien in China zeigten bereits, dass der alkoholische Extrakt aus dem einjährigen Beifuß (Artemisia annua) das zweitstärkste pflanzliche Arzneimittel gegen das Virus SARS-CoV von 2005 war.

Ein Team des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam gemeinsam mit dem US-Unternehmen ArtemiLife Inc. und medizinischen Forscherinnen und Forschern in Dänemark und Deutschland arbeitet an Untersuchungen, ob sich Extrakte aus dem einjährigen Beifuß (Artemesia annua) oder aus der Pflanze gewonnene Derivate von Artemisinin als Wirkstoff gegen Coronavirus SARS-CoV-2 eignen könnten.

Siehe Max Planck Gesellschaft
14. April 2020 Corona Medizin


Beifußkraut – Gegen Malaria und Krebs?


Der einjährige Beifuß zählt zu den ältesten Heilkräutern im Osten Europas. In China wird die Pflanze als die „Königin der Kräuter“ bezeichnet und bereits seit 2000 Jahren erfolgreich angewandt.
Verschiedene Labortests bestätigten, dass Artemesia annuae ein wirksames Heilmittel gegen Malaria ist. Bereits 2002 wurde der im Beifuß befindliche Wirkstoff Artemisinin von der WHO anerkannt. Im Jahr 2015 bekam die chinesische Pharmakologin Tu Youyou sogar den Nobelpreis für Medizin für ihre jahrelange Forschung am Wirkstoff Artemisinin.

Changins, 07.07.2009 – „Der einjährige Beifuß (Artemisia annua) wird in Afrika und Asien zur Herstellung von Artemisinin angebaut, einem Wirkstoff zur Behandlung von Malaria. Im Wallis, wo der einjährige Beifuß angebaut wird, um artemisinreiches Saatgut zu züchten, wurde eine Verkümmerung von Pflanzen festgestellt. Studien der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW haben ein bisher unbekanntes Virus in den Proben kranker Pflanzen nachgewiesen.“


Beifußkraut – Geheimnisvolle Wirkungsweise


Das Geheimnis der wunderbaren Wirkung von Beifußkraut liegt wohl in dessen Reaktion auf Eisen, das sich in besonders hoher Konzentration in den Erregern der Malariakrankheit befindet. Wenn das Kraut mit Eisen in Kontakt kommt, erfolgt eine chemische Antwort, bei der freie Radikale erzeugt werden. Diese freien Radikale sind die eigentliche Waffe gegen Malariaparasiten. Sie greifen deren Zellmembran an und vernichten so die Erreger. Krebszellen haben ebenso einen sehr großen Bedarf an Eisen. Durch die Einnahme von Artemisinin soll laut Laboraufzeichnungen eine ähnliche Reaktion ausgelöst werden wie bei Malaria. Die so entstehenden Sauerstoffradikale führen zu einer wachstumshemmenden Wirkung oder sogar zum Tod der gesamten Krebszelle.
Beifußkraut – Bei Erkältungskrankheiten und Fieber
Artemesia annuae wird nicht nur gegen Malaria oder in der Krebstherapie eingesetzt, die wunderbare Pflanze erweist auch gute Dienste zur Fiebersenkung, bei Erkältungskrankheiten und zahlreichen anderen Beschwerden.


Beifußkrauttee – Zubereitung


Für die Einnahme als Tee übergieße ich 2 Teelöffel des einjährigen Beifußkrauts mit einer Tasse heißen Wassers und lass diese Mischung ca. 15 Minuten zugedeckt ziehen. Danach seihe ich den Tee ab und trinke ihn langsam und schluckweise, ca. 3 Tassen pro Tag. Du kannst aus dem Beifußkraut auch selbst eine Tinktur herstellen. Dazu benötigst du Alkohol (mindestens 40 % Gehalt) und 100 g getrocknetes Beifußkraut. Gib den Beifuß in einen gut verschließbaren Glasbehälter und füll so viel Alkohol ein, bis das Kraut vollkommen bedeckt ist. Verschließ nun das Glas und stelle es bei Zimmertemperatur an einen ruhigen Platz. Es sollte hier für drei Wochen stehen bleiben, zwischendurch musst du immer wieder gut durchschütteln. Nach drei Wochen solltest du die Tinktur abseihen und in eine möglichst dunkle Flasche füllen. Von dieser Tinktur verwende ich 3 x täglich 20 Tropfen.


Beifußkraut – Vorsichtsmaßnahmen


Bei empfindlichen Menschen kann der Hautkontakt mit Artemesia annuae-Pflanze Allergien hervorrufen, also teste langsam auf deine Verträglichkeit. Auch die Blütenpollen des Beifußkrauts können einerseits, wie bereits zu Beginn meines Artikel erwähnt, zu allergischen Reaktionen führen. Andererseits kann das verarbeitete Kraut gegen Allergien hilfreich sein.
Die im Beifußkraut enthaltenen Bitterstoffe sind kontraindiziert bei Magenschleimhautentzündungen, bei Entzündungen des Verdauungstrakts, sowie bei Magengeschwüren.

Wenn du weitere Fragen hast, kannst du dich gerne an das Sevita Natur-Team wenden. Wir sind gerne für dich da.


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